SV Oberachern – FC 08 Villingen 3:5 (0:2)

Finale SBFV-Rothaus-Pokal
SV Oberachern – FC 08 Villingen 3:5 (0:2)

Es sollte einfach nicht sein. Fast genau auf den Tag 20 Jahre nach dem ersten Versuch, den südbadischen Verbandspokal erstmals nach Oberachern zu holen, scheiterten die Achertäler erneut an einem Verein aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis. Auch damals kassierte man fünf Gegentore, war dabei aber als Bezirksligist gegen den FV Donaueschingen chancenlos. Dieses Mal ging man gegen den südbadischen Rekord-Pokalsieger FC 08 Villingen nach den zwei Erfolgen in der Liga als leichter Favorit ins Rennen, zumal die Nullachter noch den bitteren Abstieg aus der Oberliga zu verkraften hatten.
2500 Zuschauer im Offenburger Karl-Heitz-Stadion, darunter ein Großteil aus Oberachern, erlebten dabei ein Wechselbad der Gefühle. Sie sahen zwar keine spielerisch hochklassige, dafür aber eine Partie, die an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten war. Stadionsprecher Manfred Schäfer hatte schon vor Beginn viele Tore angekündigt und er sollte am Ende recht behalten. Zur Pause sah der FC 08 noch wie der sichere Sieger aus, dann hatte der SVO bis sieben Minuten vor Abpfiff nach seinen drei Toren in Durchgang zwei eigentlich die Hand schon am Pokal. Doch die Leberer-Elf  machte die Rechnung ohne einen Nedzad Plavci, der neben dem kaum zu haltenden Damian Kaminski, der überragende Akteur auf dem Platz war.
Oberachern hatte zu Beginn alles im Griff  und hätte in der 11.Minute eigentlich in Führung gehen müssen. Ein feines Zuspiel von Domagoj Petric eröffnete Nico Huber freie Bahn, doch der Ex-Oppenauer setzte das Leder nur an den linken Pfosten. Villingen zog sich geschickt zurück und lauerte auf Fehler des SVO. Vor allem über ihre bärenstarke rechte Seite konnten sich die Schwarzwälder  in der Folgezeit dann immer besser in Szene setzen. Zweimal konnte Oberacherns Schlussmann Christian Miesch gegen Damian Kaminski noch klären (20./21.), dann versenkte Kaminski das Leder zum 0:1 (31.). Der Schock beim SVO saß tief, bis zur Pause lief bei der Leberer-Elf so gut wie nichts mehr zusammen. Erst klatschte ein Schuss von Benedikt Haibt aus 16 Metern nur an die Querlatte (40.), dann traf Plavci in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zum 0:2 und der Oberacherner Traum vom DFB-Pokal schien in weite Ferne zu rücken.
Mit einem Traumtor von SVO-Kapitän Sinan Gülsoy, dessen Geschoss aus 25 Metern unhaltbar für Villingens Keeper Marijan Huljic im Dreieck einschlug (54.), erwachten nicht nur seine Mannschaftskollegen, sondern auch das Publikum, das nun lautstark den SVO nach vorne trieb. Kurz darauf setzte SVO-Coach Thomas Leberer mit einem dreifachen Wechsel ein Zeichen und bewies damit einmal mehr ein glückliches Händchen. Gerade mal sieben Minuten stand Andreas Weisgerber, mit 29 Toren der Goalgetter der zweiten Mannschaft,  auf dem Platz, dann klingelte es ein zweites Mal im Villinger Kasten. Seine an sich harmlose Freistoßflanke aus fast 40 Metern ließ Unglücksrabe Huljic in der 66. Minute zum Entsetzen seiner Mitspieler durch die Hände gleiten und ab da ging im Stadion so richtig die Post ab. Als erneut Weisgerber nach 71 Minuten einen Freistoß aus 20 Metern zum 3:2 in den Winkel zirkelte, zweifelten nur noch wenige am Pokalsieg des SVO, der nach einem 0:2 Rückstand jetzt alle Trümpfe in der Hand hielt.
Doch die Nullachter hatte ja noch einen Nedzad Plavci in ihren Reihen, der die Partie mit einer Vorlage und zwei Treffern quasi im Alleingang noch drehen konnte. In der 83. Minute flankte er in den Fünfmeterraum, Benedikt Haibt nutzte die Verwirrung in der Oberacherner Defensive und köpfte das Leder im Fallen zum 3:3 ins Netz. Vier Minuten später nutzte der  mit Abstand beste Spieler auf dem Platz eine erneute Verwirrung beim SVO. Aus kurzer Distanz ließ er den jetzt leidgeprüften Christian Miesch erneut hinter sich greifen und in der 90. Minute machte er mit seinem dritten Treffer an diesem Tag den insgesamt achten Pokalsieg seines FC Villingen perfekt.
Am Ende ein nicht unverdienter Sieg der Schwarzwälder, die gegen einen SVO, der ausgerechnet beim letzten Spiel einer bis dahin mehr als erfolgreichen Saison deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb, die reifere Spielanlage zeigten.
Für den FC 08 Villingen war es bereits der achte südbadische Pokalsieg der Vereinsgeschichte und jetzt klingelt auch die Kohle im sechstelligen Euro-Bereich in der Vereinskasse.
Oberacherns Schatzmeister Helmut Andres indes bleibt nur ein Trostpreis im vierstelligen Bereich, der durch die als Überraschung angekündigte Aktion einiger unbelehrbarer >Fans< wohl noch etwas nach unten gedrückt werden könnte. Kurz vor Spielbeginn entwickelte sich statt des “geplanten“ blau-weißen Rauchs nur übelriechender grauer Rauch (wohl eine chinesische Fehlzündung der nicht nikotinhaltigen und somit auch nicht gesundheitsgefährdeten Rauchtöpfe, >so einige Experten<), der ein Drittel des Stadions trotz des schönen Wetters in Schwarzwälder Nebel verhüllte. Pech nur, dass das auch noch von den Nasen der südbadbadischen  Sportgerichtsbarkeit erschnüffelt und grau gesehen wurde. Der keine 20 Meter davon entfernt auf der Tribüne sitzende Strafsachenbearbeiter Reinhold Hege hat bei Pressewart Richard Morgenthaler, der bislang im Bereich des SBFV auch für die Strafsachen des SVO zuständig war, schon mal anklingen lassen, dass da noch was auf den SVO zukommen könnte.
Für den SVO war das verlorene Finale aber dennoch ein einmaliges Erlebnis. Und über eines ist man sich bei den Achertälern auch einig: auf das nächste Finale will man dieses Mal keine 20 Jahre lang mehr warten.

SV Oberachern: Miesch, Kopf (59. Weisgerber), Gülsoy,  C. Krebs (59. Dörflinger), M. Krebs, Huber ( 84. Decherf), Petric (59. Braun), Leberer, Walica, Gallus, Schwenk (36. Jurjevic)
Villingen: Huljic, Sopelnik (77. Yelken), Ovuka, Ceylan, Haibt, Plavci (90. Bruno), Wehrle, Barg, Geng, Serpa, Kaminski
Tore: 0:1 Kaminski (31.), 0:2 Plavci (45.+1), 1:2 Gülsoy (54.), 2:2 Weisgerber (66.), 3:2 Weisgerber (72.), 3:3 Haibt (83.), 3:4 Plavci (87.), 3:5 Plavci (89.)
Schiedsrichter: Steffen Fante (Neuenburg)

Zuschauer: 2500

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